Moving (Con)Texts. Produktion und Verbreitung von Ideen in der globalen Wissensökonomie

5. Transdisziplinäres Forum Magdeburg
10.-12. Juli 2009, Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg


Keynote speaker: Martin Jay (History, Berkeley)

Bekanntlich haben Globalisierungsprozesse weltweit zu weitreichenden ökonomischen und technologischen Angleichungen und Konvergenzen geführt. Dagegen bleibt der Raum kultureller und symbolischer Praktiken weiterhin meist opak, fragmentiert und heterogen. Statt die kulturelle Globalisierung zunächst analog zur technologischen und ökonomischen Globalisierung als einen Prozess der kontinuierlichen Ausbreitung einer dominanten Kultur im Sinne einer "Amerikanisierung" bzw. "McDonaldisierung" zu konzipieren, haben sozial- und kulturwissenschaftliche Theoretiker mit dem Begriff der "Glokalisierung" den hybriden Charakter dieses Prozesses unterstrichen. Gerade die kulturelle Produktion findet in einem zerklüfteten und opaken Raum statt. Wenn Sinn in der Verbindung von Texten und Kontexten entsteht, dann können transnational zirkulierende Texte je nach Kontext unterschiedlich interpretiert werden. So zirkulieren Texte, Ideen und Theorien in verschiedenen Kontexten, in denen sie auf mannigfache Weisen verstanden, verwendet und angeeignet werden. Sie sind in komplexe Produktions- und Konsumtionszusammenhängen eingebettet, die ihnen auf dem transnationalen Markt kultureller Produkte changierende Bedeutungen und wechselnde Werte verleihen. Gleichzeitig werden Ideen als tragende Pfeiler der globalen Wissensökonomie in neue rhetorische Strategien eingebunden, die die Wissensproduktion im Sinne von "Exzellenz", "Standortkonkurrenz" oder "Wettbewerbsfähigkeit" auszeichnen. Sowohl alltägliche als auch theoretische Referenzen gehen in hybride Wissenskulturen ein, die mit der Einsicht in die Grenzen "reiner" Ideen einhergehen. Wissen wird in zunehmend entgrenzten sozialen Räumen und he-gemonialen Konstellationen produziert.

Ein wesentliches Anliegen der Transfoma 5 ist es, die unterschiedlichen disziplinären Zugänge, theoretischen Perspektiven und methodischen Sets miteinander zu konfrontieren, um so eine dialogische Erweiterung und Vernetzung des Forschungsfeldes zu befördern. Konzepte und Begriffe wie Hybridität, Transkulturalität oder Transdifferenz legen den Schwerpunkt auf die Nonlinearität und Widersprüchlichkeit von wissensbezogenen Transfer-, Zirkulations- und Aneignungsprozessen. Transforma 5 will sich diesen Brüchen, Ambivalenzen, Widersprüchen, Übergängen und neuen Anstößen in der wissenschaftlichen und politisch-praktischen Diskussion unter einer multi- und transdisziplinären Horizontweitung stellen. Im Zentrum der Konferenz sollen die sozialen, politischen und kulturellen Dimensionen der Zirkulation und Verbreitung von Wissen stehen. Von Interesse ist, wie sich der Austausch zwischen verschiedenen Wissensräumen gestaltet. Was können Voraussetzungen, Subjekte bzw. Akteure und (nicht-intendierte) Ergebnisse der Produktion und Zirkulation von Wissen sein? Wo liegen mögliche Schwerpunkte neuer Felder der Wissensproduktion? In welchen Diskursformationen entstehen grenzüberschreitende Ideen? Wo liegen ihre Traditionen, Mobilisierungspotentiale und Fluchtpunkte? Es geht also um theoretisch-reflexive, politisch-praktische, ideologische und ästhetische Aspekte einer zunehmend globalisierten Wissensökonomie.

Diese Konferenz will zu kritischen Reflexionen der Produktion und Zirkulation von Ideen, Texten und Theorien anregen. Die Teilnehmer sind eingeladen, sich theoretischen und empirischen Dimensionen der globalen Wissensökonomie zu widmen. Es ist das erklärte Ziel von Transforma 5 verschiedene Ansätze (Konstruktivismus, Marxismus/Kritische Theorie, politische Ökonomie, Poststrukturalismus, postkoloniale Theorie, Feminismus, Ethnomethodologie...) und Disziplinen (Intellectual History, Kritische Theorie, Wissenschaftstheorie, Cultural Studies, Wissenssoziologie, kognitive Theorien, Ethnographie, Bildungswissenschaften, Philosophie, Geschichte ...) aus verschiedenen Ländern zusammenzubringen. Folgende Themenschwerpunkte können in den Panels verhandelt werden:

  • de/reterritorialisierte Intellektuelle
  • reflexive Repräsentationen der Totalität
  • Körper, Affekte, Emotionen in der Theories
  • ambivalente Texte, wandelnde Kontexte
  • Copyright, Hypertext, Cyberknowledge
  • Gouvernementalitäten der globalisierten Wissensgesellschaft
  • Theoriebildung in der akademischen Institution
  • Symbolische Produktion zwischen Globalisierung, Lokalisierung und Glokalisierung
  • Theorie als Diskurs: Subjektivität, Agency und widerständige Praktiken
  • Globale Ströme, lokaler Widerstand im globalisierten Wissensraum
  • Zur politischen Ökonomie des akademischen Kapitalismus
  • Kulturelles Kapital repräsentieren
  • etc.