Zeit - Raum - Agency

3. Transdisziplinäres Forum Magdeburg
15.-17. Juli 2005, Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg


Zeit-Raum-Ordnungen haben in den vergangenen ca. 150 Jahren bedeutsame Veränderungen durchlaufen, von der Implementierung einer Standardweltzeit mit ihren 24 Zeitzonen (1884) über Raum-Zeit-Kompressionen im globalen Kapitalismus bis zu den jüngsten Ausrufungen eines grenzenlosen imperialen Interventionismus. In historischer Perspektive sind die theoretischen und performativen Widerstände und Gegenästhetiken zum modernen Regime leerer homogener Zeit sowohl aus den früheren Zentren wie den Peripherien gut dokumentiert. Obwohl diese Art der Kritik immer noch in vielfältigen Zusammenhängen auf der Tagesordnung steht, sind ihre anti-hegemonialen Referenzpunkte - Chronodiversität, Heterotopien, eigene Zeit vs. Zeit des Eigners, Lokalität - in der zeitgenössischen (Post-) Moderne in hohem Maße durch das vorherrschende Regime der Flexibilisierung aufgesogen worden, das dem Anschein nach kein 'Außen' mehr zulässt. So erzeugen zwar die hegemonialen Doktrinen und Realitäten des Neoliberalismus einerseits einen zunehmenden Bedarf an neuen oppositionellen Praktiken und Formen von Handlungsfähigkeit (agency), die sie andererseits aber zugleich immer mehr verunmöglichen.

Wenn agency als Voraussetzung jeder sozialen Praxis sich nur aus embodiment ergeben kann, und embodiment nur in Zeit und Raum bzw. bestimmten Zeit-Raum-Koordinaten entstehen kann, lassen sich vielfältige Fragen stellen: Wie schränken die neuen, scheinbar alles eingliedernden Zeit-Raum-Dominanten kritische oder abweichende Denkformen und Praktiken ein? Worin bestehen die verborgenen und widersprüchlichen Verbindungen zwischen diesen Zeit-Raum-Regimen und den (Un-)Möglichkeiten widerständiger Subjektivitäten? Wo liegen heute Ansatzpunkte für das Vorstellen und Schaffen alternativer Zeiten, Orte und Lebensweisen? Wie wird Globalität raum-zeitlich produziert und repräsentiert und für die Konstruktion von Herrschaft genutzt?

Erwünscht sind Beiträge, die sich kritisch aus neueren theoretischen Perspektiven mit Fragen des Zusammenhangs von Raum-Zeit-Regimen und Subjektivitäten/Handlungsfähigkeiten auseinandersetzen. Ziel von Transforma ist es, unterschiedliche Ansätze (wie Feminismus, Poststrukturalismus, Konstruktivismus, Postkoloniale Theorie, Marxismus) und Disziplinen (z.B. Kulturwissenschaften, Politikwissenschaft, Soziologie, Philosophie, Geographie, Geschichte, Literaturwissenschaften, Medienwissenschaften) zusammenzubringen. Wie im Vorjahr will Transforma in einem speziellen Studentenforum interessierten Studierenden die Möglichkeit geben, eigene Arbeiten vorzustellen und auf diese Weise mit anderen Studierenden und Wissenschaftlern in einen Austausch zu treten. Das Studentenforum folgt dem Oberthema der Konferenz, setzt aber eigene Schwerpunkte. Die Konferenzbeiträge können sich an den folgenden Aspekten orientieren.

  • Die Uhr und ihre Gegner
  • Kartographie, Überwachung, Subversion
  • Grenzen bewohnen/auf der Grenze leben
  • Heterotopien/Homotopien von Macht/Herrschaft
  • Zwischenräume und Agency
  • Erde, Globus, Welt
  • Chronodiversitäten und Raum-Zeit-Brüche
  • Globale Ereignisse und ihre Verwertung
  • Räume/Zeiten (er)zählen
  • Bevölkerungen/Territorien unter imperialer Kontrolle
  • Medien-Zeiten und Medien-Räume
  • Souveränität - Subjektivität - Agency
  • Raum/Zeit, Macht, Körper

  • etc.