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Tino Plümecke (HU Berlin)

Gewalt als biowissenschaftlicher Diskurs

 

Früher hieß es: Dort, wo es anfängt zu menscheln, sind die Naturwissenschaftler nicht mehr zuständig. Das ändert sich jetzt.

Wolf Singer, Professor am und Direktor des Max-Plank-Institut für Hirnforschung

 

Das mit der gleich dreifachen unabhängigen Wiederentdeckung der Mendelschen Vererbungsgesetze begonnene „Jahrhundert des Gens“ fand seine Apotheose im Sommer 2000, als die erfolgte vollständige Sequenzierung des menschlichen Genoms verkündet wurde. Das 1990 gestartete Human Genome Projekt, an dem zum Schluss in 40 Ländern über 1000 WissenschaftlerInnen arbeiteten, bescherte dem Gen zusammen mit Genetic Engeneering, den Gentests, der Pränataldiagnostik und der Gentherapie den hegemonialen Sprung in der Diskurshierarchie der Biowissenschaften. Das Gen wurde zum neuen Symbol, zum ‚Subjekt’ zugleich wissenschaftlichen und technischen Fortschritts sowie wissenschaftlicher Machbarkeitsphantasien. Dass evolutionäre Paradigmen, die das Gen als zentrale Erklärungsinstanz menschlichen Verhaltens setzen, auch in den Sozialwissenschaften an Wirkungsmächtigkeit gewinnen, wird m. E. von diesen nicht hinreichend reflektiert und es wird kaum in überschneidende Diskursbereiche interveniert.

Gewalt, Konflikt und Aggression sind orginäre Themen der Soziobiologie schon seit ihren Pionieren (vgl. Lorenz, Wilson, Dawkins). Die Beschäftigung mit Gewalt und agonistischem Verhalten liegt nahe, da jene Themen einerseits juridisch beschränkt werden, aber dennoch transkulturell auftreten und da sich andererseits eine zentrale Methodik der Biowissenschaften, die vergleichende Verhaltensforschung - welche Vergleiche von menschlichem Verhalten mit dem Verhalten nichtmenschlicher sozialer Tiere vornimmt - leicht realisieren lässt.

Im folgenden sollen nach einer kurzen Einführung in die Geschichte soziobiologischen Denkens deren wirkungsmächtigste Erzählstränge nachgezeichnet und in einer Gesamtschau wieder verknüpft werden.

 

Der Grundstein der Sozibiologie ist das 1975 von Edvard O. Wilson verlegte Werk „Sociobiology: The New Synthesis“. Das Buch des Ameisenforschers war nicht nur namensgebend, sondern begründete auch das Axiom der Soziobiologie, jedwedes Sozialverhalten biologisch-evolutionär erklären zu können. Mit dem Titel des Buches - er spielt auf das 1942 vom Biologen Julian Huxley veröffentlichte Buch „Evolution: The Modern Synthesis“ an - unternahm Wilson eine „neue Synthese“, um populationsbiologische Theorien zum Sozialleben staatenbildender Insekten mit einem Neodarwinismus menschlichen Verhaltens zu verbinden und die bisherigen Teildisziplinen des Verhaltens, wie Soziologie, Psychologie unter einer evolutionären Disziplin zu vereinen.

Aufgrund weitreichender Kritik an diesen frühen Publikationen und in Folge modifizierter Ansätze aus unterschiedlichen Wissenschaftsbereichen firmiert soziobiologisches Denken zeitgenössisch hauptsächlich unter den biowissenschaftlichen Teildisziplinen Soziobiologie, Ethologie, Verhaltensökologie, Anthropologie und Evolutionäre Psychologie. Darüber hinaus stammen wichtige Forschungsergebnisse aus Arbeiten der Neurobiologie und der Endokrinologie, die sich wiederum oft auch auf Thesen der Soziobiologie beziehen. Die entsprechenden AkteurInnen lassen sich, trotz der Vielfalt der Teildisziplinen, durch auffallend große Übereinstimmung in ihren Positionen im soziobiologischen Kanon verorten.

Typenbildend erscheint für die Soziobiologien die umfangreiche gegenseitige Zitierung, Bezugnahme und Vorwortschreibung. In dieser Folge und aufgrund der hohen Selbstreferentialität verfügen die Biowissenschaften des Verhaltens (bis auf wenige Ausnahmen) über einen geringen Seitenblick auf andere, alternative Theorien ihres Forschungsgebietes, etwa aus der Soziologie oder der Sozialpsychologie.

Über das ‚Zitierkartell’ und die Betonung eines „evolutionären Blickwinkels“ in der Erforschung menschlichen Verhaltens hinaus sind vor allem die immer wieder auftauchenden, einfachen Erzählstränge, welche weder näher bestimmt noch in ihrer Anwendbarkeit untersucht werden, allen genannten Teildisziplinen gemein. Anhand dieser, immer wiederkehrenden, kollektiven Bezugsrahmen sollen im Folgenden die aktuell wirkungsmächtigsten Diskursbereiche der Soziobiologien verdeutlicht werden.

 

Das Phänomen der wiederkehrenden Einzelsätze, der einfachen, paradigmenähnlich vorausgesetzten Aussagesätze, der Topoi erscheint in seiner Spezifik als Erkennungsmerkmal soziobiologischer Argumentationsstränge.

Das 1976 von Richard Dawkins publizierte Buch „The Selfish Gene begründete den fachformierenden Topos der Soziobiologie. Zwar erschien das Buch ein Jahr nach Wilsons  Sociobiology, doch offensichtlich lag der Erzählrahmen schon ‚in der Luft’, denn schon Wilson beschrieb in seinem Werk die „primäre Funktion“ eines Organismus, die darin bestehe, Gene zu reproduzieren und als deren „temporärer Transportbehälter“, als „Vehikel“ zu fungieren. Analytisch lassen sich im Topos von Dawkins’ „egoistischem Gen“ Foucaults Thesen zur Biomacht, seine Skizzierung gouvernementaler Techniken zur „Unterwerfung der Körper und zur Kontrolle der Bevölkerung“ anwenden: Die Instrumentalisierung des Lebens, als Information materialisiert und durch das Gen bezeichnet, tritt an die Stelle der Natur selber. Leben gerät zur bloßen „Überlebensmaschine“, zum Kampf der „Allele unmittelbar ums Dasein“ und das Gen zur „Grundeinheit des Eigennutzes“. Der damit erschaffen(d)e genetische Essentialismus reduziert ein Selbst - die sozialen, historischen und biologischen Komplexität des Menschen - auf die molekulare Struktur, dem sogenannten „Buch des Lebens“, dem dann noch eine Selbstsucht zugeschrieben wird.

 

Eng mit dem „egoistischen Gen“ verbunden ist der Topos „inclusive fitness“ den der Evolutionsbiologe William Hamilton formierte. Der Oxforder Professor veröffentlichte 1964 die mathematisch-theoretische Arbeit „The Genetical Evoltuion of Social Behaviour“, welche eine genegoistische Erklärung der Entstehung steriler Kasten bei sozialen Insekten und eine Begründung der Idee der Fitnessmaximierung eigener Gene durch die Unterstützung naher Verwandter bieten solle. Die Idee der „inklusiven oder Gesamt-Fitness“ beruht auf der Vorstellung des dawkinsschen Topos, Gene als Einheit der Selektion mit einem nach Maximierung strebenden, eingeschriebenen Eigennutz zu setzen und bildet damit eine Erweiterung gegenüber der bisherigen Vorstellung von Fitness in der Art, dass sich die Gesamtfitness im Überlebenskampf nicht nur aus dem eigenen Bestehen gegenüber der Umwelt ableite, sondern sich aus dem eigenen Fortpflanzungserfolg sowie dem Koeffizienten des Fortpflanzungserfolges der nächsten Verwandten, in Relation zu deren durchschnittlichen genomischen Verwandtschaftsgrad errechne. Um also genetisch disponierte Verwandtenhilfe auszubilden, muss nach einer klassischen Kosten-Nutzen-Rechnung die zusätzliche Fitness der Verwandten multipliziert mit dem summierten durchschnittlichen Relationskoeffizienten (Geschwister » 0.5; Enkel » 0,25) größer als das eigene ‚Investment’ in die Verwandtengruppe sein.

Diese Hamiltonsche Regel bildet die Basis für einige weiterreichender Modelle der Soziobiologie, wie der „kin selektion“ sowie für Erklärungen zur Ausbildung von Nepotismus, Altruismus, Homosexualität, Moral und Gewissen. Neben Implikationen für „strukturelle Eltern-Kind-Konflikte“ und somit für innerfamilale Gewalt wird dieser Topos vor allem auch für die evolutionäre Erklärung rassistischer Unterdrückung und Gewalt herangezogen.

 

Aus dem Axiom der Soziobiologien, jedwedes Sozialverhalten biologisch-evolutionär erklären zu können, leitet sich ein weiterer Erzählrahmen ab: Die phylogenetischen Evolviertheit menschlichen Verhaltens. Zu heute beobachtbaren Verhaltensphänomenen imaginieren SoziobiologInnen Evolutionsbedingungen einer fitnessbeeinflussende Umwelt im Paläolithikum, welche zur Selektion dieser Merkmale geführt haben sollen. Doch solche Ex-post-Interpretationen führen in eine panselektionistische Tautologie. Zunächst werden Gene zu ‚Subjekten des Lebens’ mit dem eingeschriebenen Telos der größtmöglichen Reproduktion, mit der Schlussfogerung, dass rezente Lebewesen Genome besäßen, die beim „Kampf ums Dasein“ den Allelen überlegen gewesen seien. Dies führt zu einem biologischen Imperativ der Art, dass sämtliche Eigenschaften der Physis als auch die Psyche letztlich das Verhaltensrepertoire des Menschen, der maximalen Weitergabe der eigenen Gene dient und dass dieses Verhalten in einer ‚natürlichen Umgebung’ evolviert worden sein müsse. Gewalt und Aggression werden unter diesem Topos entweder als Anpassungsstrategien an die Selektionsumwelt in der Steinzeit oder als „Fehladaptionen“ in Folge menschlicher Kulturleistungen, die heute Umwelten hervorbringen, an die wir bzw. unsere Gene nicht immer optimal angepasst seien, beschrieben.

 

Die Evolutionäre Psychologie ist eine der rezenten gemäßigteren Richtungen der Soziobiologie.

Sie geht in ihrer Entstehung auf den angloamerikanischen Psychologen William McDougall (1871-1938) zurück. McDougall plädierte für die Schaffung einer auf den Erkenntnissen Darwins aufbauenden Psychologie, die er bereits in seinem 1908 erschienenen Buch „An Introduction to Social Psychology“ „Evolutionary Psychology“ nannte und in der er zahlreiche zentrale Postulate der heutigen (modernen) Evolutionären Psychologie vorwegnahm. Die moderne Evolutionäre Psychologie entstand in Folge des oben erwähnten Buches „Sociobiology: The new Synthesis” von Edward Wilson und ist eng mit den WissenschaftlerInnen John Tooby und Leda Cosmides verbunden. Erst nach ihrem Werk „The Adapted Mind. Evolutionary Psychology and the Generation of Culture“, das sie zusammen mit Jerome Barkow 1990 herausgaben, entstand international wahrnehmbar jener Teilbereich der Psychologie.

Die Evolutionäre Psychologie ist vor allem durch zwei Paradigmen geprägt: Erstens die Erforschung der menschlichen Psyche unter Einbeziehung einer explizit evolutionären Sicht auf die stammesgeschichtliche Entstehung unseres ZNS und zweitens durch das Modell der Modularstruktur des menschlichen Gehirns, welches hier als weiterer Topos angeführt werden soll.

Analog zu den funktionellen Zentren der Großhirnrinde, die etwa Sehen, Hören, Schmecken ermöglichen, glauben EvolutionsbiologInnen, dass auch komplexere Aufgaben in modularen Strukturen evolvierten. Diese „collection of modules“ wird auch als „hingebungsvoller Minicomputer“ umschrieben, aber markanterweise - trotz der biopsychologischen Konsolidierung ihres Faches - finden EvolutionsbiologInnen keine Veranlassung, diese ‚Module‘ zu validieren: Weder werden für die imaginierte Umwelt der frühen Hominiden paläontologische Daten angeführt, noch werden neurologische Hinweise für Hirnmodule, die komplexe Verhaltensteuerungen in einzelnen Zentren vornehmen, erbracht.

 

Nicht zum Kanon der eigentlichen Soziobiologien gehörend, fungiert dennoch die Neurobiologie derzeitig als eine Bezugsgrundlage biowissenschaftlicher Erforschung menschlichen Verhaltens. Darüber hinaus werden aber auch in der Neurobiologie soziobiologische Ideen rezipiert und deren Postulate, wenn auch gemäßigt, in die eigenen Theorien eingewoben.

Herausragender Akteur der Neurobiologie ist in Deutschland der vor allem wegen seiner vielen populärwissenschaftlichen Artikel und aufgrund seines Postulats der Illusion des freien Willens bekannte Bremer Professor für Verhaltensphysiologie Gerhard Roth. Als Direktor des Instituts für Hirnforschung der Universität Bremen versucht er, menschliches Handeln auf Basis neurophysiologischer Prozesse zu ergründen und kommt dabei zu dem Schluss, dass „genetisch oder bereits vorgeburtlich bedingte Charakterzüge (...) knapp die Hälfte unserer Persönlichkeit aus(machen).“ Diese ‚relative Offenheit‘ bindet Roth allerdings physiologisch-determinierend an die Verhaltenssteuerung aus dem „limbisch-emotionalen System“. Diese Theorie leitet er aus hirnphysiologischen Experimenten aus den 50er Jahren an Epileptikern sowie aus Versuchen des Physiologen Benjamin Libet zu willentlichen Bewegungen aus den 70er Jahren ab. Das Bewusstsein, so schließt Roth, sei lediglich eine Korrektureinheit, die über den Akteur, nämlich das Limbische System, wache: „Die subjektiv empfundene Freiheit des Wünschens, Planens und Wollens sowie des aktuellen Willensaktes ist eine Illusion.“ und der „Wille und das Gefühl der subjektiven Willensfreiheit dienen der Selbst-Zuschreibung des Ich.“

Neben der neuen Qualität der Verbindungslinien der Diskursebenen Soziobiologie und Neurobiologie haben die letztgenannten Postulate vor allem Implikationen für Diskurse zu Gewaltprävention und Strafvollzug. Der eingangs zitierte Direktor des Max-Planck-Instituts für Hirnforschung, Wolf Singer, zeigt das prägnant auf: „Die Annahme zum Beispiel, wir seien voll verantwortlich für das, was wir tun, weil wir es ja auch anders hätten machen können, ist aus neurobiologischer Perspektive nicht haltbar. Neuronale Prozesse sind deterministisch.“ Singer ist nicht der einzige, dem diese Problematik aufgeht. Das Diskursfeld Gehirnphysiologie und Strafen hat sich unter diesen Ergebnissen neu geöffnet. Die letztjährige Junitagung für Forensische Psychiatrie und Psychologie führte ForensikerInnen und Hirnforscher zum Thema „Hirnforschung, Willensfreiheit und strafrechtliche Verantwortlichkeit“ zusammen. Emphatisch sehen sich NeurobiologInnen anhand ihrer Ergebnisse quasi genötigt weitreichende gesellschaftspolitische Aussagen und Handlungsanweisen zu geben. Singer meint in diesem Zusammenhang, dass sich ohne die Existenz eines freien Willens Schuld und Sühne verändern müssten. „Bestrafen“ und „Schuld“ würde es dann nicht mehr geben.

 

Zusammenführend lassen sich die genannten Topoi wieder zu einem Gesamtzusammenhang verbinden, welcher weitere materialisierende Geschichten hervorbringt, die in einer sich gegenseitig stützenden Einheit daher kommen. Die vordergründige Plausibilität soziobiologischer Erzählstränge baut auf einer hohe Mythenkompatibilität und dem Potenzial auf, vorherrschende Diskursbilder - etwa der Kosten-Nutzen-Analyse oder der Popularität des Genoms - in ihre Theorien einzubauen und daraus einfache Wahrheiten über Lebewesen als „Gen-Transportbehälter“, über menschliches Verhalten als „Steinzeitevolvierte“ und über unsere vermeintlichen Geschlechterdifferenzen in Bezug auf Einparken oder Zuhören, zu generieren. Das Auftauchen der Soziobiologien in gemäßigteren Formen der Evolutionären Psychologie und einigen VertreterInnen der Anthropologie führt biowissenschaftliches Denken näher an bisherige sozialwissenschaftliche Bereiche heran. Soziobiologische Theorien erweisen sich im Zuge der neuen Naturalisierung gesellschaftlicher Verhältnisse als kompatibel etwa zu Diskursen der Ökonomisierung sozialer Beziehungen. Der Panselektionismus der Topoi „Inclusiv fitness“ und „egoistische Geneerscheinen als eine biotische Fortschreibung klassischer Kosten-Nutzen-Analysen und damit als „naturhaftes“ Äquivalent zur aktuell praktizierten Wirtschaftsform postfordistischer Gesellschaften.

Die neue Popularität, die soziobiologische Erzählungen im letzten Jahrzehnt (wieder)erlangt haben, kommt in eher fantasievollen denn beweisbaren Geschichten daher. Die Einfach-mal-so-Geschichten der Soziobiologien und der Neurobiologie führen anschaulich zur Paarung von wissenschaftlicher Arbeit mit einem Plausibilismus, der auf Mythenproduktion setzt und damit ein sozialwissenschaftliches Methodenparadigma, der möglichst hohen Plausibilität bei gleichzeitig bevorzugter Einfachheit der Theorie, erfolgreich umgeht.

Dass Erzählstränge zur „Illusion des freien Willens“ zusammen mit biotischer Determiniertheit menschlicher Verhaltensweisen zusammengehen, eröffnet möglicherweise zukünftig neue Diskursräume. So können die benannten Topoi, vor allem jener der „Illusion des freien Willens“ leicht - aber dialektisch - etwa an neoliberale Regierungspraktiken wie Aktivierungsstrategien und den Techniken des Selbst andocken. Diskussionen über die Straffälligkeit von Personen mit dem „Mördergen“, oder Vergewaltiger, die lediglich dem ‚biologischen Imperativ’, der maximalen Weitergabe der eigenen Gene dienen, materialisieren sich schon in Gerichtsverfahren in Form veränderter Urteile. Ob GenetikerInnen die „Mördergene“ identifizieren oder NeurobiologInnen Gewalt und „antisoziales Verhalten“ mit einer „geringen Aktivität im Präfrontalcortex“ zusammenbringen, beide Diskurse haben in hegemoniale Bereiche zur Erklärung von Gewalt Einzug gehalten. Sozial-kognitive und interaktionistische Lernmodelle der Sozialwissenschaften spielen dort für die Erklärbarkeit eine immer geringere Rolle.

Es bleibt somit die Frage, welche Bedeutungen diesen Diskursen in Bezug auf prädiktive Untersuchungen und Gentests, auf Lernmodelle, Gewaltprävention und Bestrafung/Strafmündigkeit, auf Geschlechterstereotypisierungen und Identitätspolitiken, auf „abweichendes Verhalten“ und Prädispositionen usw. usf. wohl in der nahen Zukunft zukommen werden?

 

Literatur

Barkow, Jerome/ Cosmides, Leda/ Tooby, John (Eds.): The Adapted Mind: Evolutionary Psychology and the Generation of Culture. Oxford University Press, 1992

Bischof-Köhler,  Doris: Von Natur aus anders. Die Psychologie der Geschlechterunterschiede, Kohlhammer, Stuttgart, 2002

Cosmides, Leda/ Tooby, John: Evolutionary Psychology: A Primer. http://www.psych.ucsb.edu/research/cep/primer.html, 1997

Dawkins, Richard: Das egoistische Gen. Springer Verlag Berlin, 1978 (1976)

Eibl-Eibesfeld, Irenäus: Fallgruben der Evolution. Der Mensch zwischen Natur und Kultur. Picus, Wien, 1991

Foucault, Michel: Der Wille zum Wissen. Suhrkamp Frankfurt/M. 1977 (1976)

Kast, Bas: Der freie Wille ist eine Illusion. Tagespiegel, Berlin, 24.10.2002

Lorenz, Konrad: Das sogenannte Böse. Zur Naturgeschichte der Aggression. Dt. Taschenbuchverlag München, 1974

Meyer, Wulf-Uwe: Zur Geschichte der evolutionären Psychologie. http://www.uni-bielefeld.de/psychologie/ae/AE02/LEHRE/EvolutionaerePsychologie.html , Bielefeld, 2002

Müller-Lissner, Adelheid: Hat die Schuld ihre Schuldigkeit getan? Tagespiegel, Berlin, 4.7 2003

Roth, Gerhard: Fühlen, Denken, Handeln. Wie das Gehirn unser Verhalten steuert. Suhrkamp, Frankfurt/M. 2001

Scheunpflug, Annette: Biologische Grundlagen des Lernens. Cornelsen, Berlin, 2001

Singer, Wolf/ Wingert, Lutz: Wer deutet die Welt? In: Die Zeit. 50/2000

Thornhill, Randy/ Palmer, Craig T.: A Natural History of Rape. Biological Bases of Sexual Coercion. MIT Press, Cambridge, 2000

Wilson, Edward O.: Sciobiology: The New Synthesis. Harvard University Press Cambridge, 1975

Wilson, Edward. O.: Die Einheit des Wissens. Siedler, Berlin 1998

Wright, Robert: The Moral Animal: Why We Are the Way We Are: The New Science of Evolutionary Psychology. Vintage Books, 1995