Reflexive Repräsentationen: Diskurs, Macht und Praxis im globalen Kapitalismus

1. Transdisziplinäres Forum Magdeburg
4.-6. Juli 2003, Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg


"Globalisierung" umschreibt eine Problemstellung, die nach 1990 das politische Imaginäre erobert hat. In Diskursen über Globalisierung geht es zumeist um die ökonomisch-technologische Vereinheitlichung und Uniformierung der Welt sowie um die gesellschaftlichen, politischen und kulturellen Konsequenzen, die sich aus dem expandierenden Welthandel, der Internationalisierung der Produktion und der ungehinderten Zirkulation von Kapital und Information ergeben. Zugleich rücken die Umbrüche, Diversifikationen und Entgrenzungen auf lokaler und regionaler Ebene in den Blick. Auf dieser internationalen Konferenz sollen die diskursiven, sozialen und politischen Repräsentationsprobleme, die mit der Entstehung eines globalen Kapitalismus einhergehen, theoretisch, historisch und praktisch reflektiert werden.

Mit "Repräsentation" verbindet sich ein Bündel von Fragen, die ausgehend von "linguistic turn" und "radikalem Konstruktivismus" in die theoretischen Debatten der Kultur- und Gesellschaftswissenschaften eingedrunden sind. Der Repräsentationsbegriff ist vielschichtig und auf mehreren Ebenen angelegt:

Repräsentation als Problem der Konstitution von Realität: Die Leitfragen hierzu lauten: Was wird wie dargestellt? Wie werden Objekte in textualen, ikonischen und sozialen Medien abgebildet?

Repräsentation als Problem der Perspektivität und Ortsgebundenheit von Wissen. Die Leitfrage hierzu lautet: Wie wird Wissen produziert? Dieses Problem umfasst alle reflexiven Auseinandersetzungen mit Wissensproduktion bis hin zur fundamentalen Kritik ihrer selbst (etwa als epistemischer Gewalt).

Repräsentation als Problem politischer Vertretung. Die Leitfrage hierzu lautet: Wer spricht für wen? Hier sind die Möglichkeiten politischer Artikulation und Praxis angesprochen.

Interessenten waren aufgerufen, theoretisch-reflexive, politisch-praktische und gesellschaftlich-historische Probleme vor dem Hintergrund der Frage nach Repräsentationsformen von Globalisierung zu diskutieren. Erwünscht waren Beiträge mit aktuellen theoretischen Perspektiven, die sich kritisch mit den Repräsentationsdilemmata der gegenwärtigen welt(klassen)gesellschaftlichen Verhältnisse auseinandersetzen. Die Konferenz wollte unterschiedliche Perspektiven (z.B. poststrukturalistische, marxistische, feministische, postkoloniale, konstruktivistische, systemtheoretische Ansätze) aus verschiedenen Disziplinen (etwa Soziologie, Cultural Studies, Internationale Beziehungen, Geschichte, Philosophie, Literaturwissenschaften etc.) zusammenführen.